und es geht doch: facebook adé!

 In Aufgeschnappt

SONNTAG, 09.12.2018

F.A.S. – WIRTSCHAFT

Raus aus Facebook!                                             

Von Anna Steiner

Facebook ist das schwarze Schaf unter den Tech-Konzernen. Datenweitergabe, Datenleck, Fake News, Hass-Posts, eine unterirdische Unternehmenskultur und eine Führungsriege, die sich keiner Schuld bewusst ist, sondern versucht, die Verantwortung auf andere abzuwälzen. Besserung? Fehlanzeige! Mark Zuckerberg ist allen Skandalen zum Trotz die unangefochtene Nummer eins in dem Laden. Seine Ko-Chefin Sheryl Sandberg will von all den Skandalen nichts gewusst haben.

Das Perfide an der Sache ist, dass es beim Skandal von Facebook nicht um hintergangene Anleger geht, um schlechte Geschäftszahlen oder etwa Korruptionsskandale. Es geht um diejenigen, die das Geschäft von Facebook erst ermöglichen: uns Nutzer.

Die Zeit ist reif, Facebook den Rücken zu kehren. Und zwar endgültig. Einfach macht uns das Netzwerk das nicht. Allein, um das Facebook-Konto zu löschen, sind mehrere Schritte nötig: Konto deaktivieren, 14 Tage warten und dem Drang widerstehen, sich doch noch einmal anzumelden. Erst innerhalb von weiteren 90 Tagen löscht der Konzern die Daten. Wer sichergehen will, dass wirklich alles gelöscht wurde, beruft sich am besten auf die Datenschutzgrundverordnung und fordert alles an, was noch gespeichert ist. Dann nochmals ganz offiziell die Löschung beantragen, und die Mitgliedschaft ist Geschichte. Ein Tipp noch für die Praxis: Am besten kündigt man vor der Löschung alle Freundschaften. Dann ist die Versuchung, noch mal vorbeizuschauen, geringer.

Aber, und das ist der eigentliche Haken an der Sache: Facebook ist in unserem Leben omnipräsent. Zumindest im Leben der 32 Millionen aktiven Facebook-Nutzer in Deutschland, der 15 Millionen Instagram-Nutzer und natürlich der 40 Millionen Whatsapp-Nutzer. Denn auch Instagram und Whatsapp gehören zum Facebook-Imperium von „Zuck“. Das macht den Ausstieg so schwierig. Viele der enttäuschten – oder von der vielen Werbung genervten – Facebook-Nutzer sind in den vergangenen Jahren zum Fotodienst Instagram gewechselt. Was zunächst eine gute Idee schien, entpuppte sich 2012 als nutzlos. Damals kaufte Facebook den Fotodienst für rund eine Milliarde Dollar. Zwei Jahre später stand dann der Nachrichtendienst Whatsapp auf dem Einkaufszettel von Zuckerberg. Wer Facebook den Kampf ansagen will, muss sich also auch von Whatsapp und Instagram lossagen. Wer ist schon so konsequent?

Der Konzern dominiert nicht nur unsere Kommunikation, er ist unsere Kommunikation. Das weiß jeder, der sich aus Frust über die Datenweitergabe bei Whatsapp schon einmal bei einem anderen Nachrichtendienst wie Telegram oder Threema angemeldet hat. Ein Blick in meine Kontakte zeigt: Etwa 200 meiner Freunde und Bekannten sind über Whatsapp erreichbar. Gerade einmal elf über Threema. Telegram habe ich inzwischen wieder deinstalliert. Da war ich ganz alleine.

Auch das Netzwerk selbst macht geradezu süchtig: Einladungen zu Veranstaltungen, Erinnerungen an Geburtstage und die neuesten Nachrichten, die den Nutzer interessieren, Urlaubsfotos und Neuigkeiten in der Familie wie Heirat, Todesfall oder Scheidung gibt es gleich auf der Startseite. Ohne sie könnte man ja etwas verpassen. Durch die Bündelung so vieler Informationen hat Facebook einen unschlagbaren Wettbewerbsvorteil. Es ist nahezu unmöglich, dem Netzwerk zu entkommen. Außerdem späht Facebook über die Handys seiner Nutzer aus, welche Apps sie am häufigsten öffnen. Die kommen dann auf den Einkaufszettel und werden weggekauft, bevor sie sich zu einer echten Konkurrenz entwickeln können. Erfolgreich war diese Taktik ja schon mit Whatsapp und Instagram.

Da das Unternehmen allen Behauptungen zum Trotz offenbar nicht bereit ist, sich grundlegend zu ändern, sollten wir Internetnutzer uns endlich wehren. Wir sollten Facebook den Zugang zu unseren Daten verweigern und lieber zur guten alten SMS greifen oder einfach gleich anrufen. Je mehr, desto besser. Dann bleibt auch niemand allein. Außer vielleicht am Ende Mark Zuckerberg.