Leistenbruch-Operationen gehören zu den häufigsten Operationen in der Viszeralchirurgie. Der Leistenbruch ist häufig angeboren, besonders bei Kindern, kann aber auch erworben sein. Der Leistenbruch zeigt sich häufig in Form einer Schwellung im Leistenbereich, die sich anfangs spontan reponiert. Nicht selten treten Schmerzen auf, die auch unabhängig von einer Schwellung auftreten können und belastungsabhängig sind.
Der Leistenbruch wird durch eine gründliche Untersuchung des Arztes diagnostiziert. Bei Kindern ist der Arzt nicht selten auf die Angaben der Eltern und die Beobachtung des Kinderarztes angewiesen.
In komplizierten Fällen können auch erst Ultraschalluntersuchung oder Laparoskopie die Diagnose sicher untermauern.
Der Leistenbruch kann nur durch eine Operation geheilt werden. Diese kann in örtlicher Betäubung oder in Vollnarkose durchgeführt werden. Das hängt vom Operationsverfahren und von Begleiterkrankungen ab.
Es gibt heute drei gängige Operationsverfahren, die wir routinemäßig durchführen. Der Arzt entscheidet im Einzelfall, welches Operationsverfahren für den Patienten am besten ist:
Operation nach Shouldice:
Hierbei wird über einen äußeren Schnitt im Leistenbereich der Bruchsack an der inneren Austrittstelle freigelegt und nach Zurücksetzen des Bruchinhaltes meistens abgetragen. Die Bruchlücke wird mittels spezieller Nahttechnik der eröffneten Hinterwand des Leistenkanals verschlossen oder eingeengt. Hierbei wird kein Kunststoffnetz eingenäht. Dieses Verfahren ist im Gegensatz zur bekannteren „Bassini“-Methode deutlich spannungsfreier.
Operation nach Lichtenstein:
Diese Operation erfolgt ebenfalls über einen äußeren Schnitt im Leistenbereich. Zum Bruchlückenverschluss und zur Verstärkung der Hinterwand des Leistenkanals wird ein Netz aus modernen Kunststoffmaterialien eingenäht. Hierbei erfolgt die Verstärkung der Leistenwand völlig spannungsfrei.
Laparoskopische Leistenbruch-Operation (z.B. TAPP):
Laparoskopische, bzw. endoskopische Operationen haben in den letzten Jahren stark zugenommen, weil sie sich besonders gut für doppelseitige Leistenbrüche und sog. Rezidivbrüche, also wieder neu nach Voroperationen aufgetretene Brüche eignen. Hierbei wird über einen kleinen Schnitt im Nabelbereich eine Hülse in den Bauchraum eingeführt. Über dieses Röhrchen wird mit Kohlensäuregas der Bauchraum entfaltet, so dass man alle Organe nach Einführen einer Mini-Kamera gut beurteilen kann. Zwei weitere kleine Schnitte an den seitlichen Bauchdecken dienen der Einführung von Arbeitsinstrumenten. Die Lücke im Leistenbereich wird dann auch mit einem Kunststoffnetz völlig spannungsfrei verschlossen.
Leistenbruch-Operation beim Kind:
Die Leistenbruch-Operation beim Kind wird in der Regel ambulant und in Vollnarkose durchgeführt. Im Leistenbereich erfolgt ein 2-3 cm großer Schnitt, über den der zarte, angeborene Bruchsack dargestellt und abgetragen wird. Es werden in der Regel keine Naht-Verstärkungen der Leistenwand vorgenommen. Natürlich verzichtet man bei Kindern auch auf alle Formen der Kunststoffnetze, also von Fremdmaterialien.
Bei Jungen ist der angeborene Leistenbruch häufig mit einer Hydrozele (sog. Wasserbruch) oder auch mit einer Fehllage des Hodens (Hodenhochstand) verbunden. Diese Veränderungen werden dann in demselben Eingriff beseitigt.


