MEINE REISE NACH KOOLO HINDE/GUINEA (11)

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TAGEBUCH-PROTOKOLL 27.01.2017 – 18.02.2017

2017-02-15 Kassa (1)

15.2. Mittwoch. Ich schlafe fest wie lange nicht und wache um 8.20 h auf. James hat sich offensichtlich schon fertiggemacht und war die ganze Nacht draußen geblieben. Sein Bett war jedenfalls unberührt und in meinem großen Bett hat auch kein anderer gelegen. Duschen, Rasieren, Zähneputzen – ruhiges Aufstehen und angenehmer Tagesbeginn. Zum Frühstück sind alle schon versammelt. Typisch französisch: Baguettes, Aprikosenmarmelade, sogar Butter, ziemlich mittelmäßiger Kaffee mit Milchpulver (wie immer von Nestlé). Dann können wir sogar noch Omeletts bestellen – ein Leben wie Gott in Koolo Hinde! Strandvormittag – na ja, um 11.30 h sitzen Andreas und ich wieder auf der Terrasse zum ersten Bier. Andreas ist mit Conny schon eine schöne Strecke geschwommen, um die vorgelagerte Basalt- und Lavagesteins-Felsen herum zu der benachbarten Strandbucht weiter nördlich, an dem die kleine muslimische Familie den Tag verbringt (die weiße, bis auf das Gesicht vollverschleierte Mutti ist sicherlich eine konvertierte Französin, der nordafrikanisch anmutende Vater und zwei Kinder, die ebenfalls eher weiße Hautfarbe haben). Neben einem französischen jungen Ehepaar mit Sohn die einzigen Gäste. Zu Mittag hatten wir Salat bestellt, einige auch mit Fisch. Zwischenzeitlich sind Tina und Simon sowie Geli’s Verwandtschaft angekommen. Nach dem Mittagessen macht sich eine Mehrheitsgruppe auf den Weg zur Nordspitze der Insel Kassa, nach Soro. Karl, der Fußkranke, bleibt mit einem Rest zurück. Ich hatte anfangs auch Bedenken vor einem 2x ¾ Stunden Marsch wegen meiner Badeschlappen. Ich ärgere mich heute nicht das erste Mal über die Mitnahmewahl meines Schuhwerkes. Die Schlappen ärgerten mich eigentlich schon immer, auch wenn ich sie nur als Hausschuhe benutzt habe. Sie sind unbequem anzuziehen, weil zu eng. Besonders wenn sie nass werden, was gestern bei dem ersten Meeresbad dann doch Vorteile beim Schwimmen hatte. Zum Laufen eigentlich völlig ungeeignet haben sie auf dem kleinen Marsch heute noch ihren Sinn erfüllt. Jede andere Sandale von mir zu Hause hätte mir aber einen besseren Dienst erwiesen. Ich ärgere mich auch über die Zahl meiner mittransportierten langärmeligen Shirts. Ich trage jetzt am Strand nur noch kurzärmelige, die ich allerdings als Unterhemden oder Nachtwäsche mitgenommen habe. Braucht man alles nicht. An der Nordspitze der Insel befindet sich ebenfalls eine Hotelanlage, die ihre besten Zeiten schon lange hinter sich hat. Die einzelnen Bungalows sehen nicht so gepflegt wie im Hotel Magellan aus. Ebenso die Anlage selbst. Der Strand ist allerdings wesentlich attraktiver, breiter und flacher ohne Felsen im Wasser. Das wird der Grund sein, weswegen auch einige Leute mehr sich hier Ballspielend, chillend, Barsitzend und Hängematteliegend aufhalten. Eine größere Halle auf einer Terrasse scheint als Rezeption und Bar zu fungieren. Sie ist innen nicht sehr einladend, dunkel, wirkt verfallen. Trotzdem stehen auf der Terrasse vor dem Eingang zwei Hinweisschilder auf Essen und Trinken mit Preisen. Nach Betreten der Halle und Adaptation der Augen an die Dunkelheit kommen aus einer noch dunkleren Ecke zwei dunkelhäutige jungen Männer, die uns auf Anfrage Bier (zwei kalte Flaschen Skol, auf die dritte warme verzichteten wir) und drei Dosen Cola geben. Das Zusammenrechnen von 2x 10.000 GFR für das Bier und 3×15.000 GFR für die Cola gestaltet sich schwierig. Unser Gesamtpreisvorschlag von 65.000 GFR wurde dann aber doch nach langem Hin-und-Her akzeptiert und wir gaben 70.000 GFR! Nach dem Bad im Meer tat das erfrischende Getränke unter Palmen richtig gut. Der Rückweg unter glühender Hitze ist nochmal richtig schweißtreibend.

2017-02-15 Kassa (18)

Bei Ankunft im Magellan entdecken wir noch neben dem Eingang die Schweinezucht, ein größeres Gelände, auf dem zahlreiche Säue und Ferkel herumliefen mit den Ebern hinter Gittern in einem Stall. Zwei einheimische Angestellten kümmerten sich um die Tiere. Ob das auch Moslems sind? Leider ist in unserem Hotel der Empfang von Telefonnetzen sehr dünn, nur in ganz wenigen ausgesuchten Ecken funktioniert die drahtlose Verbindung zum Rest der Welt. Pascal hat uns allerdings den Zugangscode zu seinem W-Lan gegeben, der aber auch bisher nur einmal funktionierte (wahrscheinlich, weil wir es unmittelbar bei seiner Anwesenheit genutzt haben und sein I-Phone der Hotspot ist). Ich gehe es jetzt noch einmal versuchen. Aber: Pascal muss erst konnektieren, dann klappt es. Er schaltet es leider auch schnell wieder aus. Jedenfalls kann ich noch ein paar Bilder übermitteln, er hat ein schnelles Netz. Auf der anderen Seite klappt die Telefonverbindung zu Jutta sehr schlecht. Zum Abendessen gab es Fisch, Entrecôte (als Spieß) und Steaks oder Poulets. Pommes frites, Bratkartoffeln, Erbsen, Salat. Mittlerweile ist es nach 00.30 h, Conny und Anne-Marie haben sich von der Strandliege verabschiedet, während James sich wieder sein Nachtlager auf zwei Strandliegen, heute mit Doppelauflage richtet. Karl ging lädiert etwas früher ins Bett, verspürte aber schon eine Besserung. Der Sonnenuntergang war bis 18.30 h relativ klar, dann versank die Sonne in einer Dunstschicht am Horizont hinter den Bergen der Île Fotoba, der gegenüberliegende ehemalige Kraterrand des Vulkans, der diese drei Inseln (Île Kassa, Île Room, Île Fotoba, zusammen: les Îles de LOS) bildete. Diese Dunstschicht wird verursacht durch den sog. Harmattan, ein Nord-Ost-Passat des Saharawindes, der hier zur Trockenzeit viel Sand und Staub aus der Wüste transportiert. Simon machte am Abend zahlreiche Fotos am Strand mit langer Belichtungszeit und zeigte mir anschließend die Kompositionen seiner künstlerischen Arbeit. Ich sprach mit ihm über Fotokurse und er bestätigte den Sinn solcher Seminare, Fotosafaris unter professioneller Anleitung. Die vielen Outdoor-Vorschläge der Allgäuer Kollegen kann man sich leider gar nicht alle merken. Aber sie sind ja im Allgäu jederzeit gerne ansprechbar. Ich werde jetzt bei offenem Fenster und offener Tür versuchen einzuschlafen. Es ist wieder Flut, das Wasser steht also 10 Meter vor unserer Tür.

2017-02-15 Kassa (21)

16.2. Donnerstag. Der nächste Tag, die nächste Nacht. Die letzte vor dem Abflug! Die Abfahrt von der Insel ist am Freitag für 13.00 h, das Mittagessen für 12.00 h geplant. Der heutige Tag war dann ein echter Strandtag. Sand, Liege, Schwimmen in der Nachbarbucht, Mittag mit Bier und Calamares-Salat auf der Terrasse, Spätnachmittag GinTonic am Strand. Abendessen mit Lotte und Rotwein und – es musste ja so kommen – mit Resümee! Im Grunde waren nur Andreas, Eva und Geli die „Alten“, die Mangogrufties. Alle anderen waren Neueinsteiger, zumindest bei MANGO. Das Team sei eines der harmonischsten überhaupt bisher gewesen, der Ausgeglichenheit der Teilnehmer geschuldet. Animositäten gab es nicht. Medizinisch bestand auch in allen Fragen Konsens, Masse-machen war nie das Ziel. Wir hatten ausgefüllte OP-Tage, de fehlenden Anreisetag und ausgedehnte Sprechstunden. Unsere Komplikationsrate war zum Glück niedrig. Nach unserem Einsatz gab es ja auch niemanden, der diese hätte wirklich auffangen können. Es sollten auch Verbesserungsvorschläge gemacht werden, vielleicht später schriftlich weitergeben. Geli ist heute früh bereits mit ihrer Familie losgereist, sie hatte sich schon am Vorabend verabschiedet. Bailo wird morgen am Flughafen zu uns stoßen, hoffentlich mit unserem Gepäck! Das Einchecken hat mit Pascals W-Lan gut geklappt. Heute haben alle etwas Farbe bekommen, sodass wir als Afrikareisende nicht ganz so weiß zurückkommen. Ich freue mich riesig auf Familie, Jutta, Klamottenwäsche, Winter in Germany. James schläft ein letztes Mal auf seiner Strandliege (schnarche ich so laut?), alle anderen liegen wohl in ihren Betten. So ich auch jetzt!

(Fortsetzung folgt)